Die nächsten Schritte

Im Nachhinein werde sichtbar, welche Chancen der Lockdown eröffnete. Digitale Treffen machten es leichter, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, erzählt Maren von der Heyde. Das hätte manch einer als Segen empfunden: man begegne sich sachlich, käme schneller zu Ergebnissen. Körperliche Distanz im professionellen Umfeld habe auch ihr Gutes, betont die Diakoniepastorin. Der Reporter stimmt ihr zu. Er spürt dennoch ein Unbehagen.

Vor ein paar Tagen fragte die BILD Zeitung: Wann wird es wieder wie früher? Die Sehnsucht ist so verständlich wie vergeblich. Geschichte wird gemacht, es geht voran. Am 3. und 4. September treffen sich Einrichtungsleitende in Breklum. Face to Face trotz Corona. Ist das ein Statement?

Die Suche nach dem rechten Maß

Digitalisierung sei kein Allheilmittel, sagt Frau von der Heyde. Ebenso wenig käme ein Verzicht auf Digitalisierung in Frage. Alle Einrichtungen werden eine Strategie entwickeln müssen. Das Treffen diene auch zum Austausch von Erfahrungen. So habe es sich gezeigt, wie problemlos sich Fortbildungen online organisieren lassen. Der Vorteil liege auf der Hand: Zeitgewinn, Konzentration auf das Wesentliche. Die Diakonie Hamburg-West/Südholstein werde ihr Fortbildungsangebot digital erweitern. Sicher werde es häufiger zu hybriden Veranstaltungen kommen, bei denen sich Teilnehmer*innen von Außen dazuschalten.

Im Suchthilfezentrum Lukas in Lurup zum Beispiel, gelinge es online besser, an bestimmte Klienten heranzukommen. Der Kontakt per Mail ist niedrigschwelliger als eine Anmeldung über das Büro und das Hingehen. Dem Reporter wird klar, als Fußgänger gehört er auf die Liste der gefährdeten Arten.

Raus aus der Angst

Alarmierend viele Menschen scheinen jedoch die Kommunikation einzustellen. Selbst junge Menschen verließen die Wohnung nicht, aus Furcht vor Ansteckung. Wege aus der Vereinsamung zu finden, sei auch eine diakonische Aufgabe, sagt die Diakoniepastorin. Lösungen werden gesucht. Das Projekt TAS to go  der TAS Pinneberg ist ein bemerkenswerter Ansatz. Die Diakonie macht sich auf den Weg zu den Menschen.

Das Virus unterscheidet nicht zwischen Beratenden und Beratenen. Wer soziale Arbeit verrichtet, hält sich selbst in der Regel nicht für betroffen. Jetzt stehen Einrichtungsleitungen vor dem Phänomen, dass Beratende auf Abstand bestehen und zugleich Ratsuchende fernblieben, aus Angst sich anzustecken. Verständliche Reaktionen, sagt Maren von der Heyde, sie müssten in eine neue Balance kommen. Sie sehen, wir haben uns einiges vorgenommen. Das Nicken des Reporters am anderen Ende der Leitung sieht sie nicht.

 

 

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