Jede Teilnehmerin zählt

Wenn nur zwei Teilnehmerinnen zu einer Veranstaltung über Stalking kommen, muss einiges schief gelaufen sein, denkt der Reporter vor dem Gespräch mit Patchwork. Aber Corona verschiebt Wertmaßstäbe. Der Auftakt am Montag Abend im Café Kompass in Hamburg Ottensen sei ein Erfolg, erklärt Annette von Schröder, Beraterin von Patchwork. „Wir wollten schon auf die Kompass Café-Abende verzichten, aber dann dachten wir: Jede Frau, die kommt, zeigt, dass auch jetzt persönliche Kontakte wichtig sind. Das macht Mut.“

Hand in Hand gegen häusliche Gewalt

Veranstaltungsreihen plant man nicht mal eben so. Das Patchwork-Team arbeitete mehrere Monate an einem schlüssigen Konzept; unterstützt durch Spenden der NDR-Aktion „Hand in Hand für Nordeutschland“. An sechs Terminen werden jeweils sechs Schwerpunktthemen im Bereich Häusliche Gewalt und Stalking vorgestellt und in lockerer Runde besprochen. Sie wollen Frauen erreichen, die anfangen, sich mit der Problematik zu beschäftigen. Gezwungenermaßen, wie die Teilnehmerin, deren Ex-Partner noch Wochen nach der Trennung jeden Abend vor ihrer Haustür steht. Wo hört Trennungsschmerz auf, ab wann muss er als Stalking gewertet werden?

Darüber lässt sich auch zu dritt gut sprechen. Das Café Kompass war gerade eingerichtet, da  machten gläserne Trennwände und Desinfektionsmittel der Gemütlichkeit ein Ende. „Damit können wir leben,“ sagt Frau von Schröder. Das Café sei immer noch ein angenehmer Ort für persönliche Kontakte. „Die Nähe, die wir hier trotz Coronaregeln haben, kann kein Telefongespräch bieten.“ Hier sei es auch möglich, unter sicheren Bedingungen systemische Beratungen durchzuführen.

Corona spendet Zeit

Der lange Lockdown wegen Corona habe auch positive Auswirkungen, erzählt die Beraterin. Das zeigten die 14 Frauen, die ehrenamtlich Telefon-Beraterin in Konflikten mit häuslicher Gewalt werden wollen. Normal waren bisher sieben Bewerbungen. „Wir vermuten, dass der gedämpfte Alltag, die geringeren Möglichkeiten, ins Kino oder ins Konzert zu gehen, die Entscheidung zum ehrenamtlichen Engagement verstärkt.“

„Diese Reihe führen wir bis zum Ende durch, auch wenn nur eine Interessentin kommt. Was dann kommt, ist offen, sagen sie bei Patchwork.“ Luft genug nach oben ist jedenfalls, sinniert der Reporter und nimmt sich vor, mit anderen Einrichtungen über die Zukunft von Info-Abenden zu sprechen.

Die verbleibenden fünf Veranstaltungen.

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